© ifa-Galerie Berlin

Mit:

Uriel Orlow
Frieder Schnock
Yael Katz Ben Shalom
Heidi Stern
Renata Stih
Tanya Ury

Mit der Floskel „Stets gern für Sie beschäftigt” schloss die Firma J.A. Topf & Söhne Erfurt die Korrespondenz mit ihrem Auftraggeber, der SS-Bauleitung, die die Krematoriumsöfen von Topf & Söhne in den Konzentrations- und Vernichtungslagern einsetzte. Mit „Stets gern für Sie beschäftigt” könnten aber zahllose Briefe regimetreuer Firmen an ihre Auftraggeber in der NS-Zeit geendet haben.

Die Ausstellung zeigt künstlerische Arbeiten, die sich mit der Rolle der Industrie beim Holocaust beschäftigen. Dabei wird vor allem die Bedeutung von technischen und ökonomischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf den Tathergang der Ermordung von Millionen von Menschen thematisiert. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung fragen die Künstlerinnen und Künstlerauch immer nach dem heutigen Umgang mit der Vergangenheit, nach Schuld und Verntwortung des Einzelnen, nach Veränderungsstrategien , Sühne- und Versöhnungsmöglichkeiten; sie verdeutlichen, dass Mahnen, Erinnern und Gedenken in unterschiedlicher Art und Weise möglich und nötig sind.

Yael Katz Ben Shalom zählt zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation in Israel und arbeitet mit den unterschiedlichsten Medien, die sie in Installationen kombiniert imd in Mediencollagen zusammenführt. In der Installation „Made in Germany” setzt sie sich mit der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne und dem heutigen Umgang mit der Vergangenheit auseinander.

Uriel Orlow lebt in London und war im Rahmen eines Stipendiums als Artist-in-Residence an der Wiener Library in London tätig, einem der ältesten Holocaust-Archive der Welt. Die Wiener Library ist bis heute eine der bedeutendsten Institutionen für Wissenschaftler, Journalisten, Juristen und Nachkommen, die sich mit dem Holocaust beschäftigen. Uriel Orlow widmet seine Arbeit „Deposits” der Archivierung von Geschichte. „Deposits” besteht aus den Videoarbeiten „1942” und „Housed Memory”.

Heidi Stern hat sich in ihrer künstlerischen Arbeit durch den polnischen Dokumentarfilm „Der Fotograf” anregen lassen. Sie setzt in ihren plastischen Werken und szenischen Installationen dokumentarisches Material aus dem Ghetto von Lodz um, wie es in dem Film festgehalten wurde.

Das Künstlerpaar Renata Stih und Frieder Schnock ist bekannt für Aufsehen erregende Denkmalsentwürfe, die nicht nur an die Betrachter apellieren, sondern sie stets mit einbeziehen und Nachdenken provozieren. Mit der Arbeit „Bus Stop”, die für die Ausstellung der ifa-Galerie Berlin neu bearbeitet wurde, beteiligten sich Renata Stih und Frieder Schnock 1994/95 am Wettbewerb für das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Tanya Ury in ihrer künstlerischen Arbeit mit den Verbindungen von Hugo Boss mit dem Nationalsozialismus. Die Künstlerin setzt sich mit der Beziehung von Mode und Politik, von Mode und Uniform auseinander.

Sowohl der 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz als auch der 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs sind für die ifa-Galerie Berlin des Instituts für Auslandsbeziehungen bedeutende Anlässe, der Millionen von Opfern zu gedenken. Wir widmen die Ausstellung auch dem 40jährigen Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen und danken der Botschaft des Staates Israel dür die freundliche Unterstützung.

Programm

Freitag, 28. Januar 2005, 17:00
Führung mit den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern.

Donnerstag, 10. Februar 2005, 19:00
„Buna 4 – Ein Rechercheprojekt der Künstler Arndt, Moonen und Peters über das Kaugummiwerk der IG Farben bei Auschwitz 1941 – 45”

Donnerstag, 24. Februar 2005, 19:00
„Eine Studie zu Medizin und Nationalsozialismus an der Charité”, mit Dr. med Peter Langkafel