Rosige Zukunft ©Victoria Tomaschko

Die Ausstellung Rosige Zukunft – Aktuelle Kunst aus Tunesien gewährt Einblick in die aktuelle Kunstszene Tunesiens nach der Revolution. Die Künstlerinnen und Künstler der für dieses Projekt von den Kuratorinnen Christine Bruckbauer und Patricia K. Triki ausgewählten Kunstwerke leben und arbeiten in Tunesien. Sie waren Mitakteure und Zeugen des historischen Umbruches im Januar 2011. Mit ihren künstlerischen Arbeiten reagieren sie auf Ereignisse in ihrem sozialen und politischen Umfeld. Sie zeigen Konflikte auf, die in der diktatorischen Vergangenheit verschwiegen wurden und die nun nach der Revolution frisch aufkeimen. Die Werke künden von Enttäuschungen und Hoffnungen auf eine bessere, „rosige Zukunft“. Schauplätze vieler künstlerischer Arbeiten in Tunesien sind seit der Revolution die Straßen und das Internet. In einem dokumentarischen Teil wird die Ausstellung anhand von Videos, Links und anderen Dokumentationsmaterialien Eindrücke von dieser für Tunesien neuen, lebhaften Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum vermitteln.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Mohamed Ben Slama, Mohamed Ben Soltane, Moufida Fedhila, Aïcha Filali, Faten Gaddes, Mouna Jemal Siala, Sonia Kallel, Halim Karabibene, Mouna Karray, Nicène Kossentini, Hela Lamine, Patricia K. Triki, Rania Werda u.a.

Rosige Zukunft ist die vierte Ausstellung der Reihe connect: nach Kunstszene Vietnam, A Gentil Carioca und Khoj. Die Reihe connect: will in einer losen Folge von Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen verschiedene Szenen im Bereich der bildenden Kunst in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa verbinden, kontaktieren, vermitteln, zusammenbringen.

Programm

Freitag, 12. Oktober 2012, 16:00
Führung durch die Ausstellung mit Christine Bruckbauer und Patricia K. Triki sowie den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern in der ifa-Galerie Berlin.

Freitag, 12. Oktober 2012, 19:00
46. Akademie-Gespräch: Wem gehört die Revolution? Wie reagieren die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler in Tunesien auf die gewaltigen Umbrüche in Gesellschaft und Kultur? Was sind die Chancen der Kunst?
Eine Podiumsdiskussion mit Künstlerinnen und Künstlern der Ausstellung sowie mit Christiane Bohrer, Goethe-Institut Tunis. Moderation: Johannes Odenthal, Akademie der Künste.
Eine Veranstaltung der Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit der ifa- Galerie Berlin und dem Goethe-Institut Tunis.

Donnerstag, 8. November 2012, 19:00
Bewegte Bilder – Neue Kurzfilme und Videos aus Syrien (2011-2012)
Als im März 2011 die Menschen in Syrien auf die Straße gingen, um für ihre Rechte als Bürger und für ein Leben in Freiheit und Würde zu demonstrieren, schien es für viele eine weitere Station des sogenannten „Arabischen Frühlings“. Die Regierung in Damaskus reagierte allerdings mit Gewalt gegen ihre Bürger, die Pressefreiheit für ausländische Journalisten wurde eingeschränkt. Zahlreiche Internet-Aktivisten und „citizen journalists“ informieren seitdem über die Geschehnisse im Land und dokumentieren die Gewalt, aber auch die Kreativität der immer wieder neuen Formen des Protestes. Auch syrische Künstlerinnen und Künstler hatten nach anfänglichem Zögern aufgrund der anhaltenden Gewalt das Bedürfnis, in ihrer Kunst eine klare Stellung zu beziehen, für Freiheit und individuelle Rechte und gegen Gewalt. Es entstanden eine Reihe kurzer Videos und Filme mit künstlerisch-aktivistischem Charakter, die vor allem im Internet zu sehen waren. Viele dieser Videos sind mit einfachsten Mitteln realisiert und geprägt von der Notwendigkeit, schnell auf die aktuelle Situation zu reagieren. Andere wiederum weisen einen eher reflektierenden Charakter auf. Das Programm „Bewegte Bilder“ zeigt eine Reihe von Videos und Kurzfilmen syrischer Künstlerinnen und Künstler, die mittlerweile alle außerhalb Syriens leben. Es sind Arbeiten sowohl etablierter als auch junger Künstlerinnen und Künstler, die unter dem direkten Einfluss der Revolution und ihrer Bildkultur entstanden sind.

Mit Arbeiten von u.a. Dani Abo Louh, Khaled Abdulwahed, Madonna Adib, Ammar Al-Beik, Mohammad Ali Atassi, Kevork Murad

Kuratiert von Charlotte Bank.

Donnerstag, 15. November 2012, 19:00
Auf der Straße der Revolution. Eine Collage über Khiaban-e Enghelab, die „Revolutionsstraße“, in Teheran von Ayat Najafi
Khiaban-e Enghelab, die „Revolutionsstraße“, in Teheran ist nicht erst seit den Unruhen ein zentraler Ort. Sie verbindet die Universität Teheran und das Staatstheater, hier reiht sich kilometerlang Buchhandlung an Buchhandlung, auf den Bürgersteigen die wandernden Händler mit verbotenen Büchern. Studenten sitzen in den Cafés, blicken auf das Treiben der Straße und erwarten gespannt das nächste Ereignis – sei es 1951 bei der Unterstützung des demokratisch gewählten Premierministers Mosaddagh oder 2009 bei den Protesten gegen den Wahlbetrug des Präsidenten Ahmadinedschad. Ganz gleich in welche Richtung der Straße man sich bewegt, das Ziel ist Aufruhr. Anhand der Revolutionsstraße Teherans wird die Frage aufgeworfen, wie die Nutzung des öffentlichen Raumes gesellschaftliche Umbrüche und Tendenzen begünstigen kann. In einer Collage von Film, Kunst, Literatur und Dokumentation werden Bilder der Straße, die das Zentrum der Revolution von 1979 in Iran war, kreiert. Die Zuschauer werden auf einen virtuellen Spaziergang durch die verschiedenen Epochen der Revolutionsstraße mitgenommen.

Ayat Najafi, geboren 1976 in Teheran, lebt in Berlin. 1995 Gründung einer Jugendtheater-Gruppe an der Azad Universität Teheran. Seit 2000 eigene Regiearbeiten 2008/2009 Bärtige Frauen und Männer im Rock (Konstanz). 2009 Uraufführung von Lady Teheran (Autor, Regie) in Berlin. 2011 Uraufführung von Rasht – Stadt der Frauen, ebenfalls in Berlin. 2005 mit Move it Teilnahme am Wettbewerb Shoot Goals, Shoot Movies des Berlinale Talent Campus. 2008 in Co-Regie mit David Assmann Dokumentarfilm Football Undercover, der zahlreiche Preise, u.a. den Teddy Award der Berlinale für den besten Dokumentarfilm und den Prix Europa Iris für die beste multikulturelle Fernsehsendung 2009 gewinnt. Ayat Najafi ist Jury-Mitglied u.a. bei der Amnesty International Jury der Berlinale 2012. Zahlreiche Artikel und Aufsätze für Magazine, Zeitschriften und Websites im Iran und in Deutschland.

Sonntag, 25. November 2012, 11:00 bis 13:00
KinderKunstProgrammGESICHT ZEIGEN! Porträts von anderen Helden der Straße
Die aktuelle Kunst Tunesiens hat viele Gesichter. Ob eingeschmuggelt ins Tapetenmuster, gewachsen aus einem Kaffeefleck, von Linien überwuchert oder von Schimmel zerfressen – die 13 Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung zeigen vielfältige Facetten Tunesiens nach der Revolution. Das Gesicht, so heißt es, spiegelt unsere inneren Regungen wieder. „Gesicht zeigen“ kann aber auch bedeuten, für etwas einzustehen: Der Künstler Halim Karabibene hat Menschen von den Straßen Tunis’ porträtiert – behelmt mit einem Kochtopf und ausgerüstet mit Schaufeln, Bohrmaschine oder Megaphon verteidigen sie die Freiheit der Kunst. Im KinderKunstProgramm werden die Gesichter der Ausstellung erkundet – und ihre Kehrseiten. Im Atelier wird mit verschiedenen Möglichkeiten des Selbstporträts und den Spielarten seiner Verfremdung experimentiert.
Offener Workshop für Kinder ab 6 Jahren mit Annika Niemann und Ev Fischer.

Samstag, 08. Dezember 2012, 11:30 bis 14:00
JugendKunstProgrammZEICHEN SETZEN! Ein Alphabet der Straßenkunst
Seit der Revolution im Januar 2011 nutzen viele Künstlerinnen und Künstler in Tunesien die Straße als Material und Bühne. Ob im Gespräch mit Taxifahrern oder verkleidet als „Super-Tunisian“, ob auf Häuserfassaden oder Plakatwänden: Mit ihren Aktionen begleiten und kommentieren sie den politischen Umbruch und geben ihrem Begehren nach Freiheit einen künstlerischen Ausdruck. Im JugendKunstProgramm beschäftigt uns die Frage: Was bedeutet Freiheit eigentlich für die Menschen in Berlin? Wo steht Freiheit auf dem Spiel – und für wen? Nach welcher Freiheit sehnen wir uns, für welche Freiheit wollen wir uns einsetzen – und welche Zeichen können wir setzen? Im Dialog mit Dokumenten der tunesischen (Straßen-)Kunst und Streetart-Spuren in der Nachbarschaft der ifa-Galerie entwickeln wir unsere eigene künstlerische Zeichensprache für den öffentlichen Raum: „Free Art /// Free“! Offener Workshop für Jugendliche ab 12 Jahren mit Annika Niemann und Ev Fischer.

© ifa-Galerie