„Nueva / Vista“ zeigt eine Auswahl preisgekrönter Videobänder und -installationen der renommiertesten Videokünstler Lateinamerikas von Mexiko über Brasilien, Chile, Argentinien und Kolumbien bis Peru.

José-Carlos Mariátegui, Kurator der Ausstellung, ist Leiter des internationalen Videofestivals Alta Tecnología Andina (ATA) in der peruanischen Hauptstadt Lima, das sehr viel zur Entwicklung und Verbreitung elektronischer Medien und Videokunst in Peru und Lateinamerika beigetragen hat. Das ATA-Festival fand 2002 bereits zum sechsten Mal statt. Neben Videoarbeiten aus der ganzen Welt stellt es immer mehr einheimische Produktionen der wachsenden Videoszene Perus vor, die „Nueva / Vista“ zum ersten Mal in Deutschland präsentiert.

Wie kaum ein anderes Medium eignet sich Videokunst dazu, auf gesellschaftliche Veränderungen und politische Ereignisse künstlerisch zu reagieren, wie zahlreiche Arbeiten der (d)OCUMENTA 11 belegen. Auch „Nueva / Vista“ zeigt eine „neue Sicht“ auf das postkoloniale Lateinamerika: Fragen der eigenen Identität, des historischen Ursprungs und der wechselvollen Geschichte Lateinamerikas stehen dabei im Zentrum der Betrachtung.

Die Ansätze der peruanischen Künstler sind unterschiedliche und reichen von den reduziert grafischen Arbeiten Iván Esquivels (oder auch „Plaztikk“) über eine dokumentarisch-politische Erzählweise von Eduardo Villanes bis hin zu einer artifiziellen, minimalistischen Formensprache bei Angie Bonino; alle Künstler vereint jedoch die Auseinandersetzung mit der jüngsten politischen Entwicklung Perus. Alvaro Zavala (oder auch „Castor Andino“) hinterfragt wiederum in seinen „Anden-Videos“ kritisch die touristisch-folkloristischen „Images“, die bis heute unser Bild von Peru prägen.

Die mexikanische Künstlerin Ximena Cuevas, von deren Videobändern das Museum of Modern Art in New York eine Auswahl besitzt, nimmt uns humorvoll auf eine fiktive Reise durch Mexico City mit. Andrés Burbano, Professor für Videokunst und Neue Medien in Bogotá, zeigt dagegen Kolumbiens Hauptstadt in einer surrealen, hektisch geschnittenen Komposition. Edgar Endress setzt sich aus kindlicher Perspektive mit der Zeit der Militärdiktatur in Chile auseinander, während die bekannte brasilianische Filmregisseurin Kátia Lund in ihrem mehrfach prämierten Videoband „In meiner Seele“ (u.a. mehrere MTV-Awards) das Stilmittel des Videoclips (für die brasilianische Gruppe „O Rappa“) dazu nutzt, auf die Verelendung und die zunehmende Gewalt in den Straßen von Rio de Janeiro zu verweisen. Gustavo Romano, Argentiniens renommiertester Medienkünstler, führt uns schließlich mit seiner Installation „Kleine private Welten“ auf uns und die Frage nach unserer Identität zurück.