Lesung und Gespräch mit Oxana Timofeeva.

Bertolt Brecht bezeichnet in seinem im finnischen Exil verfassten Werk Flüchtlingsgespräche aus den Jahren 1940/41 die Emigration als „die beste Schule für Dialektik”. Die Dialektik der Flucht besteht für Brecht darin, mit den entsprechenden Veränderungen und Wandlungen Schritt zu halten. Diese These greift Oxana Timofeeva in ihrem Buch Heimat: Eine Gebrauchsanweisung auf, das 2020 im Matthes & Seitz Verlag erschienen ist und von Anja Dagmar Schloßberger übersetzt wurde.

Im Jahr 2022 floh Oxana Timofeeva infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine nach Deutschland und tritt damit erneut in Brechts Schule der Flucht ein. Was kann man heute noch aus dieser Schule lernen? In einem moderierten Gespräch reflektiert sie, wie persönliche Erfahrungen der Vertreibung unsere Formen des Widerstands beeinflussen. Wie kann ein alternativer, emanzipatorischer Heimatbegriff dabei helfen, uns in einer von Kriegen geprägten Zeit im politischen Raum zu orientieren und neue Formen der Solidarität zu entwickeln? Das Buch von Oxana Timofeeva ist ein wegweisender Ausgangpunkt der Ausstellung Was bedeutet es für einen Ort, geliebt zu werden, die noch bis 8. Februar 2026 in der ifa-Galerie Berlin zu sehen ist.

Oxana Timofeeva ist Autorin und Forscherin an der UdK Berlin, leitende Mitarbeiterin am Institute of Global Reconstitution (IGRec, Berlin) und Mitglied des Künstlerkollektivs „Chto Delat“. Zu ihren Büchern zählen unter anderem Freud’s Beasty Boys (2025), Solar Politics (2022), How to Love a Homeland (2020), History of Animals (Bloomsbury 2018), This is not That (2022) und Introduction to the Erotic Philosophy of Georges Bataille (2009). Ihr neues Buch On the Soul erscheint 2026.


Moderation: Inka Gressel

Donnerstag, 5. Februar 2026, 18:00

Sprache: DE und EN