Mit Rauschen: Echos einer Institution widmet sich das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen erstmals umfassend der Arbeit und dem Nachwirken des ZfK. Diese 1973 gegründete Organisation unterstand dem Ministerium für Kultur der DDR und war für den internationalen Kulturaustausch zuständig. Das ZfK zeigte eine enorme Produktivität: Es organisierte jährlich bis zu 130 Ausstellungen und präsentierte Kunst aus der DDR im Ausland sowie Kunst aus dem Ausland in der DDR. Dabei arbeitete es mit dem Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) und zahlreichen ausländischen Partnerinstitutionen zusammen – sowohl aus den sozialistischen „Bruderländern“ als auch dem sogenannten „westlichen Ausland“.
Die Ausstellung folgt einer chronologischen Bewegung anhand der Szenografie von Eran Schaerf. In Jahresabschnitten präsentiert sie internationale Ausstellungen und die Arbeit der ZfK-Galerien in Berlin und Dresden bis hin zur Auflösung der Institution 1990 im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung. Ausstellungen fanden seit 1973 in der Neuen Berliner Galerie, zunächst im Marstall und ab 1976 im Alten Museum auf der Museumsinsel statt. Ab 1979 kam als zweiter Ausstellungsort die Galerie am Weidendamm in der Friedrichstraße 103 hinzu; 1983 eröffnete das ZfK einen weiteren Standort, die Galerie Rähnitzgasse in der Dresdner Neustadt. Alle drei Standorte bestanden bis zum 31.12.1990.
Die nachgezeichnete Chronik endet hier in der Ausstellung 1992 mit jeweils einem Werk von Gerhard Altenbourg und Hermann Glöckner aus der ifa-Kunstsammlung, stellvertretend für die vier Tourneeausstellungen von Künstlern aus der DDR, die das ifa ab 1993 auf Reisen schickte.
Grundlage der Chronologie ist ein im Bundesarchiv erhaltener Karteikasten des ZfK, der das Ausstellungswesen alphabetisch – von Algerien bis Zypern – dokumentiert und nun in eine zeitliche Struktur überführt wurde. Die daraus entstandene Erzählung ist keine geschlossene Geschichte, sondern eine vielstimmige Compilation, die das Wirken des ZfK verdichtet, befragt und in seiner Komplexität würdigt. Das ZfK erscheint dabei als ein Knotenpunkt, an dem Kunst, Diplomatie, Ideologie, persönliche Netzwerke und institutionelle Routinen ineinandergriffen.
Die Geschichte des ZfK setzt sich aus vielen Spuren zusammen: Werke aus dem ehemaligen Bestand des ZfK, aber auch der ifa-Kunstsammlung treten neben Reproduktionen aus ZfK-Publikationen und -Plakaten, Fotografien und Archivmaterialien in einen Dialog mit Stimmen aus Funk und Fernsehen. Neben dem Bundesarchiv und dem Deutschen Rundfunkarchiv waren die Privatarchive von Peter Hartmann und Hans-Jörg Schirmbeck, ehemalige leitende Mitarbeiter des ZfK, eine weitere wichtige Quelle.
Der Titel Rauschen verweist auf das, was zwischen den offiziellen Botschaften hörbar wird: auf Nebengeräusche, Übertragungen, Störungen und Nachklänge. Projekte wie die Teilnahme von Künstlern aus der DDR an der documenta 6, der erste Auftritt auf der Biennale von Venedig oder politisch motivierte Ausstellungen zum Thema Palästina, Apartheid und Rassismus werden sichtbar gemacht. Auch das Jahr 1990 tritt besonders in Erscheinung: So erzählen Robert Rauschenbergs ROCI oder Karla Woisnitzas Tecuna-Ausstellung davon, wie beweglich und verflochten die Arbeit des ZfK war. International ausgerichtet und zugleich politisch gebunden, ermöglichte es Austausch, eröffnete Künstler:innen Wege ins Ausland und blieb dennoch Teil eines regulierten Kultursystems.
Zeitgenössische künstlerische Positionen von Nadja Abt, Anna Bromley, Katharina Mercedes Marszewski, David Polzin und Suse Weber erweitern diese historische Recherche in die Gegenwart. Ihre Arbeiten greifen einzelne Materialien, Bilder oder Erzählungen auf und fragen, was diese heute auslösen. Sie verstehen die historischen Bestände als Resonanzkörper, an dem Verbindungen, Leerstellen und Projektionen neu verhandelt werden. Das Projekt bildet den Startpunkt für insgesamt fünf Ausstellungen in Berlin.
Mit Werken von Nadja Abt, Gerhard Altenbourg, Alfred Beier-Red, Henryk Berg, Anna Bromley, Hermann Glöckner, Gotthard Graubner, HAP Grieshaber, Heidrun Hegewald, Irmgard Horlbeck-Kappler, Katharina Mercedes Marszewski, Karl Erich Müller, Uwe Pfeifer, Sigmar Polke, David Polzin, Nuria Quevedo, Robert Rauschenberg, Hans Theo Richter, Werner Schinko, Emil Stumpp, Günther Uecker, Suse Weber, Karla Woisnitza
Kuratiert von Susanne Weiß in Zusammenarbeit mit Nadja Abt, Swantje Greve, und Petronela Soltesz; Szenografie: Eran Schaerf in Zusammenarbeit mit Flo Gaertner.
Die Ausstellung in der ifa-Galerie Berlin bildet den Auftakt der ifa-Ausstellungsreihe Publik Machen – Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR in Berlin. Das Projekt findet in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung statt und wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Schloss Biesdorf, KVOST – Kunstverein Ost, der Prater Galerie und der Galerie im Turm sowie dem Kunsthaus Dresden.
Eröffnung: Donnerstag, 25. Juni 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 26. Juni – 27. September 2026
Weitere Informationen zu Publik Machen unter agora.ifa.de







