Am 18 September um 18 Uhr lädt die ifa-Galerie Berlin gemeinsam mit den Historikerinnen Dr Alexia Pooth und Dr Swantje Greve zu einem Gespräch über ein wenig bekanntes Kapitel der deutschen Kunst- und Zeitgeschichte ein: den Auftritt der DDR auf der documenta 6 im Jahr 1977, als einmalig Künstler der DDR bei der internationalen Ausstellung in Kassel vertreten waren. Gezeigt wurden dort Werke von Willi Sitte, Bernhard Heisig, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Jo Jastram und Fritz Cremer – eine Beteiligung, die über die Kunst hinaus, eine politische und gesellschaftliche Wirkung entfaltete. So zogen Georg Baselitz und Markus Lüpertz ihre Werke wieder zurück, da sie nicht zusammen mit den DDR-Künstlern ausstellen wollten, während Die ungehorsamen Maler, eine Gruppe ehemals verfolgter DDR-Künstler:innen mit Flugblättern und einer Demonstration die Unterdrückung freier Kunst in der DDR anprangerte. 

Das Gespräch beleuchtet die kulturpolitischen Voraussetzungen, die diese Teilnahme ermöglichten, und zeigt, wie eng Kunst, Diplomatie und Ideologie in der Zeit des Kalten Krieges miteinander verflochten waren. Zugleich richtet sie den Blick auf die kontroversen Debatten und Proteste, die den DDR-Beitrag begleiteten, sowie auf die Spannungen zwischen staatlicher Kulturpolitik und künstlerischer Freiheit. Den Ausgangspunkt bildet die Forschungsarbeit von Dr Alexia Pooth, die sich seit vielen Jahren mit den Beziehungen zwischen der DDR und der documenta beschäftigt. In ihrem Buch Exhibition Politics. Die documenta und die DDR zeichnet sie nach, wie die documenta nicht nur als bedeutende Kunstausstellung, sondern auch als Schauplatz deutsch-deutscher Kulturpolitik fungierte. Gemeinsam mit Dr Swantje Greve eröffnet sie neue Perspektiven auf die Verflechtungen von Kunst und Politik und auf die Rolle der documenta im Spannungsfeld zwischen Ost und West. 

Swantje Greve ist Historikerin und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen der Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Reichsarbeitsministeriums in der NS-Zeit. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin war sie bei verschiedenen Ausstellungsprojekten in der Stiftung Topographie des Terrors und dem Deutschen Historischen Museum Berlin beschäftigt. Seit 2022 arbeitet sie als freiberufliche Historikerin, zuletzt in Projekten bei der Stadt Kempten (Allgäu) zur Überprüfung von Straßennamen im Kontext der NS-Zeit sowie für die ifa-Ausstellung „Rauschen: Echos einer Institution“. 

Alexia Pooth ist Kunst- und Kulturhistorikerin und war – nach beruflichen Stationen in der Neuen Nationalgalerie Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Deutschen Historischen Museum – bis 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Seitdem leitet sie die Kunstsammlungen moderne und zeitgenössische Kunst der Ruhr-Universität Bochum. In ihrer Forschung und Lehre beschäftigt sie sich mit Ausstellungs- und Sammlungspolitiken im geteilten Deutschland, der Geschichte der documenta sowie Wohnen, Handwerk und Architektur.  

Zu ihren jüngsten Publikationen gehören: „Exhibition Politics. Die documenta und die DDR“, Kerber Verlag, 2024 und „Handwerk Ost. Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt“ (gemeinsam mit Thomas Schaarschmidt), Chr. Links Verlag, 2026.