Was wäre, wenn Mode ein kultureller Seismograf wäre, der Veränderungen von Identität, Geschlecht, Sinnlichkeit und Vorstellungskraft vorwegnehmen kann? Sich zu kleiden würde dann zu einer instinktiven Geste: einer Weise, die Gegenwart zu erspüren, sich auf das Kommende vorzubereiten und den Mut aufzubringen, die eigene Existenz voll und ganz zu bewohnen.  

Heute ist Mode zu einem Raum geworden, in dem zahlreiche künstlerische Praktiken zusammenkommen: Textilkunst, Fotografie, Musik, Film, Installation und Performance. Wie kaum ein anderes Medium verkörpert Mode kreative Freiheit und die Möglichkeit, der Welt zu erzählen, wer wir sind.  

Diaspora Wonderland stellt eine Generation von Künstler:innen aus der afro-mediterranen Diaspora vor, die ihre Geschichten durch Mode erzählen. Die präsentierten Werke teilen eine gemeinsame Grundlage: Geschichten von zurückgelassenen Ländern, familiäre Intimität, die Spuren des Exils, überliefertes Wissen und Bilder, die aus fragmentierten Erinnerungen entstehen.  

Der Begriff Diaspora, abgeleitet vom griechischen speiro („säen“), steht für weit mehr als Zerstreuung. Er spricht von Bindungen, Zugehörigkeiten und Verwundungen – aber auch vom Akt der Schöpfung. Zwischen gelebter Realität und Imagination entstehen „Wunderländer“: Räume der Kreativität, geprägt von Bewegung, Weitergabe und Neuerfindung.  

Die Ausstellung vereint neu in Auftrag gegebene Werke von Buki Akomolafe, Sophia Kacimi und NIX mit bestehenden Arbeiten von Margaux Derhy und Sarah Makharine und lädt zu einer Reise durch diese imaginierten Welten ein. Dabei entsteht ein „Wunderland“, das über reale Grenzen hinausreicht.  

Die Reise beginnt in Berlin, einer Stadt, die von Wiedervereinigung und Experimentierfreude geprägt ist. Hier kann Mode wieder zu dem werden, was sie im Kern ist: ein hybrides Feld, in dem sich Geschichten verweben und so neue Wege des Daseins eröffnen.  

Kuratiert von Lotfi Aoulad

Künstler:innen: Buki Akomolafe, Margaux Derhy, Sophia Kacimi, Sarah Makharine, NIX

Szenograf: Christophe Martin

© Victoria Tomaschko