Ein Ort wird geliebt, wenn er zum Chor wird

Was bedeutet es für einen Ort, geliebt zu werden?

In der Villa Romana haben wir gelernt, dass ein Ort nicht geliebt wird, weil er unverändert fortbesteht oder weil er das Gewicht der Geschichte unversehrt bewahrt. Ein Ort wird geliebt, wenn er zum Chor wird. Wenn er die Polyphonie derjenigen sammelt, die ankommen, die aufbrechen und die vorbeiziehen und dabei andere Landschaften in ihren Körpern tragen. Wenn seine Wände aufhören, als Grenzen zu wirken, und zu Resonanzräumen werden – widerhallend, aufnehmend und verwandelnd durch die Stimmen, die sie aufnehmen. 

In diesem Geist schließt sich die Villa Romana der ifa-Galerie Berlin an, um auf die Frage der Ausstellung zu antworten. „Was bedeutet es für einen Ort, geliebt zu werden?“ Die Antwort Ein Ort wird geliebt, wenn er zum Chor wird ist keine Metapher, sondern eine Methode: ein Vorschlag, den Wegen der Villa-Romana-Stipendiat:innen nachzuspüren und der Art und Weise, in der ihre Praktiken Florenz und Berlin als voneinander abhängige Orte des Kreierens, Erinnerns und Imaginierens neu stimmen. 

Dieser Abend ist den Stipendiat:innen der Jahre 2023 und 2024 gewidmet: Samuel Baah Kortey, Diana Ejaita, Jessica Ekomane, Pınar Öğrenci (2023); Rubén D’Hers, Tuli Mekondjo, Monai de Paula Antunes und Sergio Zevallos (2024) und der Präsentation ihrer in Zusammenarbeit mit Archive Books neu veröffentlichten Hefte. Diese Publikationen sind keine Kataloge dessen, was bereits geschehen ist; sie sind Resonanzräume fortlaufender Prozesse. 

Die Veranstaltung eröffnet auch ein neues Kapitel: den Beginn einer dreijährigen Zusammenarbeit zwischen ifa und der Villa Romana. Ihre erste Schwingung war Corale, das kollektive Klangstück von Radio Papesse, koproduziert mit ifa und Deutschlandfunk. Während der Berlin Art Week im Georg Kolbe Museum präsentiert und nun im Museo Novecento in Florenz nachhallend, verkörpert Corale genau den Vorschlag dieses Zusammenkommens: eine Polyphonie vieler Stimmen, verflochten, aber nicht verschmolzen, koexistierend in Spannung und Resonanz. 

Anwesend sein werden auch die Stipendiat:innen des Jahres 2025: Sajan Mani, Elia Nurvista, Chaveli Sifre und Raul Walch. 

In einer Zeit zerklüfteter Geografien und umkämpfter Geschichten ist vielleicht die Liebe zu einem Ort keine Sehnsucht nach Ursprüngen und keine romantische Bindung an ein Land, sondern eine Verpflichtung zum Zuhören – dazu, vielen Stimmen zu erlauben, denselben Raum zu bewohnen, ohne sie in Einklang zu zwingen. 

© Victoria Tomaschko